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023 TAO Boval Hütte SAC
Pontresina Engadin, Graubünden

Wettbewerb 2025

Auf 2494 m ü. M. entsteht anstelle der bestehenden Bovalhütte ein Neubau, der sich präzise in die alpine Landschaft einfügt. Westlich der Zunge des Morteratschgletschers gelegen, orientiert sich das Gebäude an der beeindruckenden Topografie zwischen Piz Boval und Piz Morteratsch. Durch die Schaffung neuer Freiräume wird die Verbindung zwischen Architektur und Natur gestärkt, während die Funktionalität des Ortes neu definiert wird. Der Baukörper folgt der natürlichen Linienführung des Geländes und präsentiert sich als länglicher Riegel. Die klare Formensprache differenziert zwischen öffentlichen und privaten Bereichen und ermöglicht eine intuitive Erschliessung über die Ostfassade. Ein zusätzlicher Zugang an der Südfassade führt direkt auf die Terrasse. Das Volumen gliedert sich in zwei charakterlich unterschiedliche Geschosse: Ein massives Sockelgeschoss aus Stein verankert das Gebäude in der Landschaft, während das Obergeschoss mit einer Schindelfassade aus Lärche Schutz und Wärme vermittelt. Giebeldach, trichterförmige Fenster und traditionelle Läden interpretieren die regionale Baukultur zeitgemäss. Im Erdgeschoss befinden sich der grosse Aufenthaltsraum aus Arvenholz mit zentralem Kamin, der Schuh- und Trockenraum sowie die Küche und Mitarbeiterräume. Der Raum öffnet sich mit rhythmischen Öffnungen zum Gletscher und ermöglicht flexible Nutzung durch einen Vorhang. Im Obergeschoss liegen die Gästezimmer, schlicht und funktional gestaltet aus Fichtenholz, mit gezielten Ausblicken in die Landschaft. Der Übergang von Stein zu Holz wird im zentralen Treppenraum sichtbar und verbindet Robustheit mit Leichtigkeit. Die neue Bovalhütte versteht sich als zeitgemässe alpine Architektur – präzise, funktional und tief mit dem Ort verwurzelt. Ökologie und Nachhaltigkeit Das Projekt setzt auf nachhaltige und ressourcenschonende Bauweisen. Durch die Wiederverwendung von Materialien aus der alten Bovalhütte und den abgebauten Nebengebäuden wird der Ressourcenverbrauch minimiert. Die Binderkonstruktion kann so nachhaltig realisiert werden. Zudem wird lokal gewonnenes Gestein in Drahtkörben verwendet, was Transportwege reduziert und die Nutzung neuer Materialien verringert. Für die Tische der Stüva werden alte Schalungstafeln von der Baustelle wiederverwendet und zu einem Stecksystem verarbeitet. Die Entscheidung für vorgefertigte Bauelemente beschleunigt den Bauprozess und senkt den Energieaufwand vor Ort. Die temporäre Seilbahn und der Transport leichter und vorgefertigter Bauelemente verringert den Helikoptereinsatz während der Bauphase erheblich und spart so Energie und Kosten. Durch diese Kombination aus Recycling, lokalem Materialeinsatz und intelligenter Logistik wird ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiger Neubau geschaffen, der den Anforderungen der sensiblen alpinen Umgebung gerecht wird.Konstruktion Ein tief im Boden eingelassener Betonriegel dient als tragendes Fundament und schützt zugleich vor Permafrost. Darauf ruht eine Betondecke, die asymmetrisch ausgesteift ist. Die Aussenwände bestehen aus vorgefertigten Drahtkörben, vor Ort mit lokalem Gestein befüllt und durch Stahlstützen gefasst. Darüber liegt eine massive Holzdecke. Die Dachbinder bleiben im Gang sichtbar, in den Zimmern verschwinden sie hinter der Holzverkleidung. Ein grossflächiges Photovoltaikdach gewährleistet die autarke Energieversorgung. Öffentlich & Privat Der Neubau der Bovalhütte ist funktional klar gegliedert. Der vordere Bereich zur Gletscherseite hin öffnet sich mit Stüva, Terrasse und Trockenräumen dem Publikum. Der rückwärtige, bergseitige Teil bleibt den Mitarbeiter:innen vorbehalten. Im Obergeschoss verbinden sich Gemeinschaft und Rückzug zu offenen, ruhigen Räumen.

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