025 Wettbewerb Erweiterung Schulstandort Brühl, Dornach "Emil und die Detektive"
Basel
Wettbewerb 2025
Architektur ARGE fmunlimited / FURKA / briggen gmbh , Basel Landschaftsarchitektur Sabine Kaufmann Landschaftsarchitektin FH BSLA, Zürich HLKS Schmutz & Partner AG, Basel Die bestehende Anlage mit ihren pavillonhaften Bauten fügt sich harmonisch in den Grünraum ein. Sie bildet eine Insel inmitten des umgebenden Einfamilienhausquartiers. Die Schulanlage teilt sich in zwei Bereiche, dem Kindergartenensemble und der Primarschule. Der Kern der Schulanlage bildet der Kernbau von Kurt Ackermann aus dem Jahre 1964. Die Anlage ist um eine grosse Terrasse organisiert, die zur Bauzeit den Blick über das ganze Tal freigab. Das Schulhaus selbst ist für seine Zeit Typisch als split-level Bau in Sichtbeton realisiert. Die Anlage wurde 1998 erweitert und Anfang der 2000er Jahren bei einer Sanierung von Aussen stark verändert und hat viel der ursprünglichen Klarheit eingebüsst. Der Pausenplatz bildet für uns die zentrale Ausgangslage. Die grosse Terrasse ist ein Alleinstellungsmerkmal der Anlage. Aus ihrer heutigen - leeren - Form wird eine Erlebnisarena als Treffpunkt. Integriert wird der Brunnen „Haus für das Wasser“ des Bildhauers Albert Schilling. Die Eingriffe fügen sich in das orthogonale Bebauungsmuster ein und ergänzen die Anlage um die Schulerweiterung und den Bewegungsraum. Die Erlebnisarena verbindet dabei zusätzlich die einzelnen Wegnetze auf Pausenplatzniveau und im Sockel und ermöglicht kurze und logische Verbindungen der Nutzungen. Der neue Klassenzimmertrakt gliedert sich an der Südwestecke an den bestehenden Pausenplatz und belässt die maximale Grosszügigkeit sowie Weitsicht der Terrasse. Unter Berücksichtigung des bestehenden Strukturrasters fügt sich der Bau ruhig in das gesamte Ensemble. Gestärkt wird die Setzung mit der neuen Ost-West Verbindung, die beginnend vom talseitigen Arealzugang eine neue zentrale Wegführung bis zu den Kindergärten und dem Zugang vom Dorfzentrum bildet. Die zwei Bestandesbauten auf dem Kindergartenareal sind über den zentralen Grünraum mit der schönen, alten Platane verbunden. Mit dem neuen Doppelkindergarten stärken wir diesen Raum. Diese neue gemeinsame Mitte der sechs Kindergärten bildet eine Innere Welt als Erlebnisgarten. Durch ihre Materialisierung heben sich die neuen Bauten ab und bilden einen starken Kontrast zum Bestand. Die Differenzierung der Ausformulierung hilft der Orientierung und prägt den individuellen Charakter der einzelnen Gebäude. Organisation Den einzelnen Nutzungen sind jeweils eigene Baukörper zugeteilt, was eine einfache Orientierung ermöglicht. Der Neubau mit Klassenzimmern verbindet mit seinem Treppenhaus alle wichtigen Ebenen der Schulanlage. In der Gebäudemitte befindet sich ein Luftraum, welcher der Raumbeziehung über die Geschosse dient. Der umlaufende Gang dient als Verkehrs- sowie als Begegnungsraum, stärkt das Sicherheitsgefühl und fördert das Wohlbefinden. Durch die Drehung des Klassenzimmerneubaus entsteht kein unangenehmes Vis à vis zu den bestehenden Klassenzimmern in Trakt B. Mit dem neuen Wegnetz wird auch der bestehende Trakt C, sowie das UG Trakt B rollstuhlgerecht erschlossen. Somit sind 4 Zimmer des Zyklus 2 hindernissfrei zugänglich. Der Trakt D mit der Tagesstruktur wird mit einem neuen Lift als separater Baukörper organisiert. Eng verknüpft damit wird der Bewegungsraum eingefügt, der zusätzliche Zugänge einerseits vom Schulhaussockel und andererseits für externe ausserschulische Nutzungen vom Unteren Brühlweg erhält. Der Kindergarten kommt als eigenständiger Baukörper auf dem bestehenden Areal der Kindergärten. Die Möschlerwiese bleibt als Spielwiese und Baureserve leer. Umgebung Die Gesamtanlage besteht aus zwei Arealen, das der Primarschule und dasjenige des Kindergartens. Die klare Trennung von Primarschule und Kindergarten wird durch die differenzierte Weggeometrie betont. Das streng geometrische Wegnetz der Primarschule wird im Bereich der Kindergartens zu einem organisch geformten Erlebnispfad. Bei den Eingriffen ist es unser Ziel, so viel wie möglich vom Baum- und Grünbestand zu erhalten. Ergänzt werden einheimische und klimaresistenten Laubbäume. Eine neue Ost-West Verbindung bildet die zentrale Erschliessungsachse der Anlage. Im Westen wird so der Zugang von den neu entstehenden Wohnüberbauungen gestärkt. Auf dem Pausenplatzniveau wird diese Verbindung durch eine begrünte Überdachung betont. Diese schliesst an das ursprüngliche Erschliessungsdach an und bildet so die gedeckte Verbindung zum Klassenzimmerneubau und der Sportwiese. Unter dem Dach sind überdeckte Sitzmöglichkeiten für Regen und Sommer. Die Erlebnissarena auf dem Pausenplatz wird zur Atraktion und dem Indentifikationspunkt. Die Granitsitzstufen der Arena laden ein, hier die Pause zu verbringen oder sie als Freiluftklassenzimmer zu nutzen. Spielmöglichkeiten sind auf dem ganzen Areal vorhanden. Der Lehrerzimmeraussenraum wird zu einem schattigen Spielplatz umgenutzt. Die Verbindung zum Kindergartenareal führt über den neu platzierten Fussgängerstreifen. Durch den Wegfall des Elterntaxis wird die Sicherheit der Strassenüberquerung erhöht. Ausser den direkt vorgelagerten überdeckten Bereichen ist der Aussenraum nicht dem jeweiligen Kindergarten zugeordnet sondern bildet einen grossen gemeinsamen Erlebnisgarten mit verschiedenen Spielwelten die es zu entdecken gibt. Die Möschlerwiese bleibt als Spielwiese für die Tagesstruktur und Freizeitnutzung erhalten. Eine neue Pappelreihe spendet im Sommer zusätzlichen Schatten. Für die Veloparkierung entsteht auf dem Pausenplatz ein neues Dach. Die bestehenden Velodächli werden wiederverwendet und Entlang der neuen Hauptachse aufgestellt. Die Autoparkierung bleibt am gleichen Ort, wird aber reduziert auf die nötige Anzahl Plätze. Ökonomie und Nachhaltigkeit Das Erhalten von möglichst viel Substanz und eine gezielte Ergänzung mit den neuen Nutzungen, ist unsere Prämisse. Die neuen Bauten sind modulare Holzbauten. Die Reduktion von CO2-haltigen Baustoffen ermöglichen eine Nachhaltige Bauweise. Durch den Substanzerhalt reduziert sich auch das Abruchvolumen. Die Low-Tech-Haustechnik in den Neubauten führen zu geringem Unterhalt. Insgesamt ist so ein Bauvorhaben nach dem Effizienzpfad Energie SIA 2040 möglich. Etappierung Die erste Etappe bildet der Klassenzimmerneubau. Für die Baustelle wird eine provisorische Rampe zur Spielwiese als Baustellenzufahrt verwendet. Der Rest der Schulanlage ist dadurch von den Bauarbeiten nicht betroffen. Anschliessend können die Schulräume aus Trakt D in die Erweiterung verlegt werden und die Tagesstruktur mit dem Bewegungsraum, zusammen mit der Neugestaltung des Pausenplatzes, realisiert werden. Der Doppelkindergarten kann unabhängig von den anderen Aktivitäten realisiert werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist die geprüfte Aufstockung von Trakt A und nach der Zonenplanrevision die Aufstockung des Klassenzimmerneubaus um bis zu zwei Geschosse möglich. Bauweise und Tragwerk Die klare Trennung der Bauteile in Primär-, Sekundär- und Tertiärkonstruktion bringt bei der Realisation und dem Unterhalt erhebliche Vorteile. Einfache Aufbauten unter Verwendung nachhaltiger Bauteile führen zu Kostenreduktionen. Die Bauzeit wird durch Vorfabrikation optimiert. Die drei Erweiterungsbauten sind als Skelettholzbauten konzipiert. Beton wird nur für Bauwerke unter Terrain eingesetzt. Die Fassade und die Innenwände sind modular auf das Grundraster aufgebaut. Die möglichst grosse Wiederholung der einzelnen Elemente wird angestrebt. Die Zimmertrennwände übernehmen bei den Klassenzimmern keine weiteren Funktionen, so ist ein Verschieben mit minimalem Aufwand möglich. Mit diesem Aufbau lassen sich grundsätzlich spätere Anpassungen realisieren und selbst ein Rückbau oder Re-Use des Gebäudes oder seiner Einzelteile wäre denkbar. Der Klassenzimmerneubau ist auf einem flexiblen Raster aufgebaut, das spätere Nutzungsanpassungen jederzeit ermöglicht. Hinsichtlich horizontaler Lasten ist in Längsrichtung die Wandebene zwischen Zimmer und Korridoren in den geschlossenen Bereichen aktiviert. In Querrichtung dienen die geschlossenen Aussenwandscheiben an den Gebäudeenden. Im Untergeschoss ist das Tragwerk in einer Betonwanne abgestellt. Eine spätere Aufstockung um ein oder zwei Geschosse ist möglich. Beim Bewegungsraum ist die Unterfangung des bestehenden Korridors in Massivbauweise. Die Aussenwand und Decke ist wiederum in Holzbauweise. Die Aussteifung übernehmen hier die begrenzenden Bauteile. Der Kindergarten ist ein eingeschossiger Holzelementbau. Die grössere Spannweite beim Hauptraum wird durch ein Zeltdach mit Hängepfosten überbrückt. Eine spätere Aufstockung ist nicht angedacht. Materialisierung Die neuen Bauten heben sich optisch vom Bestand ab. Sie sind dafür unter sich mit der gemeinsamen Materialisierung und Farbgebung verwandt. Im Inneren zeigt sich das sichtbare Holztragwerk und die gestrichenen Füllemente wie Wände und Decken. Einbauten und Schreinerarbeiten sind gleich wie die Tragstruktur in rohem Holz. Im Aussenbereich verbinden die vertikalen Bretterschalungen die einzelnen Eingriffe. Bauteile in Terrainniveau sind mit Glasbausteinen verkleidet. Die Fassadenschalung besteht aus naturbelassenem Holz, das mit der Zeit vergrauen wird. Die Fenster als Bauteile mit höherem Anspruch an die Langlebigkeit sind deckend gestrichen. Die Beschattung wird mittels Fallarmmarkiesen in Stoff gewährleistet. Die Verkleidungen bei geschlossenen Elementen werden in Holz, deckend gestrichen, ausgeführt. Brandschutz Der Klassenzimmerneubau ist pro Geschoss als ein Brandabschnitt ausgebildet. Das Treppenhaus ist abgetrennt. Mit dem Abbrandzuschlag können die linearen Bauteile im ganzen Gebäude sichtbar bleiben. Beim Treppenhaus sind die Wände und Decken gekapselt ausgeführt. Bis zu einer Gebäudehöhe von 11m ist keine Rettungszufahrt nötig. Der Zugang vom befahrbaren Pausenplatz ist innerhalb des 80m Radius. Bei einer späteren Aufstockung ist eine Zufahrt zum unteren Brühlweg nötig. Der Kindergarten ist als Gebäude geringer Abmessungen ein durchgehender Brandabschnitt. Energie & Umwelt Die Faktoren der Nachhaltigkeit die wir berücksichtigten sind die Erneuerbarkeit, die Herstellungsenergie und die Distanz zur Produktion. Mit Bestandeserhalt, einfachem statischen Grundgerüst und einer pragmatischen Materialisierung mit Nachwachsenden Ressourcen erreicht das Gebäude eine maximale Nachhaltigkeit. Passend wird bei der Haustechnik ein möglichst einfaches Konzept mit dem Low-Tech Ansatz unter Berücksichtigung des Effizienzpfad Energie SIA 2040 verfolgt. Bei der gesamten Konstruktion ist die Bauteiltrennung das höchste Kredo. Diesem Prinzip folgend, ist die Haustechnik in getrennten Steigzonen geführt und horizontal nur verkleidet, wo aus technischen Gründen nötig. Die neuen Bauten werden an die bestehende Holzschnitzelheizung angeschlossen und die Wärme wird über eine Bodenheizung verteilt. Die einzelnen Bauten verfolgen verschiedene Lüftungskonzepte. Bei den Klassenzimmern ist keine kontrollierte Lüftung vorgesehen. In den Fenstern sind Nachströmöffnungen eingebaut, die Abluft erfolgt über den Luftraum im Inneren und über Dach. Das gleiche Prinzip dient auch der sommerlichen Nachtauskühlung. Für den Bewegungsraum ist eine Grundlüftung vorgesehen, die einen minimalen Luftwechsel garantiert um eine optimale Luftqualität zu gewährleisten. Beim Kindergarten ist kein Lüftungssystem vorgesehen. Eine Minimale WC-Abluft und Nachströmöffnung sichern während den Ferienzeiten den minimalen Luftwechsel. Das Regenwasser wird auf den begrünten Dächern zurückgehalten und durch eine integrierte Regenwassernutzungsanlage sowie einer zusätzlichen Retentionsmulde in der Umgebung geleitet. Diese Massnahmen tragen zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung bei. Die Regenwassernutzung dient den Toiletten in Neu- und Altbau sowie der Umgebungsbewässerung. Dieses gut abgestimmte Gesamtkonzept stellt eine nachhaltige, energieeffiziente und nutzungsfreundliche Gebäudetechnik sicher. Die grosszügigen Dachflächen bieten sich für eine grossflächige Photovoltaikanlage an, die sich über alle Gebäude, Neubauten und Bestandesbauten, erstreckt.








